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Thailand

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Thailand / Land und Leute

Thailand ist mit einer Fläche von 513,115 km?ungefähr so gross wie Frankreich.

Im Norden grenzt es an Myanmar (Burma) und Laos, im Westen an Myanmar, im Osten an Kambodscha und Laos und im Süden an Malaysien (und den Golf von Thailand).

Die längste Nord-Süd-Ausdehnung ist etwa 1500 km, die grösste Ost-West-Ausdehnung etwa 800 km.

Geographisch unterscheidet man im wesentlichen fünf Regionen.

Die Zentral-Ebene umfasst das Schwemmland des Chao-Phaya-Flusses. Die Region ist die fruchtbarste des Landes, und dank eines engmaschigen Netzes von Kanälen, sowie einer Unmenge weiterer Bewässerungssysteme, gehört die Region traditionell zu den wichtigsten Reis-Anbaugebieten der Welt. Allerdings müssen immer mehr Reisfelder einer noch lukrativeren industriellen Nutzung weichen. Die Zentral-Region ist die am dichtesten bevölkerte Thailands - was sich allein schon aus dem Umstand ergibt, dass die Hauptstadt, Bangkok, in ihrer Mitte liegt.

Nord-Thailand besteht geographisch aus einer Serie paralleler Gebirgszüge mit einer durchschnittlichen Meereshöhe von 1.200 Metern, die durch die Täler des Ping, des Wang, des Yom und des Nan voneinander getrennt sind. Die meisten dieser Gebirgszüge sind noch reich an tropischen Regenwäldern, obwohl das wertvollste Holz, Teak, weitgehend eingeschlagen ist (die Regierung hat inzwischen ein umfassendes Abholzverbot erlassen). Der Doi Inthanon (Inthanon-Berg), mit einer Meereshöhe von 2.595 Metern der höchste im Lande, liegt in Nord-Thailand. Die ersten drei Thai-Königreiche in Südostasien, Sukhothai, Chiang Mai und Chiang Saen, hatten ihr Zentrum in Nord-Thailand. Die zweitgrösste Stadt des heutigen Thailand, Chiang Mai, ist das wirtschaftliche, kulturelle und administrative Zentrum der Nord-Region. Der nördlichste Zipfel Nord-Thailands gehört zum sogenannten Goldenen Dreieck, dem Dreiländereck von Thailand, Burma und Laos, in dem ein wesentlicher Prozentsatz des Opiums der Welt erzeugt wird.

Isan












Photo: Typische Isan-Landschaft



Die Nordost-Region, auf Thai Isan genannt, ist ein tellerförmiges Plateau mit einer durchschnittlichen Meereshöhe von 200 Metern, das als Khorat-Plateau bezeichnet wird. Die Böden dieser Region sind sandig und nicht sonderlich fruchtbar. Die geographische Lage bedingt ausserdem, dass Regenfälle das ganze Jahr über knapp sind - ausser in der Regenzeit. In der Regenzeit von Juni bis Oktober sind die Niederschläge aber so exzessiv, dass trotz der sandigen, das Wasser schnell absorbierenden Böden weite Teile der Region überflutet sind. Die Nordost-Region ist, ausser in ihren nördlichen und östlichen Grenzbereichen, nur wenig bewaldet. Landstriche, die nicht für den Ackerbau (hauptsächlich den Anbau von Reis) genutzt werden, sind überwiegend mit Savannengras und Steppengebüsch bewachsen. Der Nordosten ist trotz einer keineswegs dünnen Besiedlung der am wenigsten entwickelte Landesteil, und er wird ausserdem am wenigsten von Touristen besucht.

Die Ostküste, geographisch der Südrand der Nordost-Region entlang des Golfs von Thailand, wird traditionell nicht als separate Region des Landes verstanden. Das Abgrenzung der Ostküste vom Nordosten beruht eigentlich auch eher auf wirtschaftlichen und sozialen Faktoren denn auf geologischen. Die Ostküste unterscheidet sich vom Nordosten in erster Linie dadurch, dass sie sehr viel wohlhabender ist - tatsächlich ist sie die zweitreichste Region des Landes nach Zentral-Thailand. Dieser vergleichsweise Wohlstand ist dabei eine jüngere Entwicklung, die sowohl auf einer beschleunigten Industrie-Ansiedlung als auch auf einer guten touristischen Infrastruktur beruht. Zum Wohlstand der Region tragen des weiteren ausserordentliche Früchte (Durians und Mangos), sowie ausserordentliche Steine (Rubine und Saphire) bei.

Südthailändische Landschaft












Photo: Südthailändische Landschaft bei Krabi



Süd-Thailand, das sich über weite Teile der nördlichen Malaiischen Halbinsel erstreckt, hat eine der faszinierendsten Landschaften der Welt, die durch zerklüftete, aber keineswegs sonderliche hohe Kalkstein-Felsberge geprägt wird. Jeder Reisende durch Süd-Thailand ist angetan von diesen Kalkstein-Bergen, die oft unvermittelt zwischen Reisfeldern stehen und so fremdartig wirken. So ungewohnt sind sie, dass man sie in europäischen Sprachen eigentlich gar nicht richtig benennen kann. Ausser einer Festland-Landschaft, die oft wie aus dem Märchen entnommen scheint, gehören zu Süd-Thailand auch zahlreiche der Küste vorgelagerte Inseln, die von westlichen Besuchern gerne mit Paradies-Vorstellungen verknüpft werden. Die grössten und touristisch am weitesten entwickelten sind Phuket, Ko Samui und Krabi. Doch während es der Tourismus ist, der heutzutage den relativen Wohlstand der Region begründet, war es in den vergangenen Jahrhunderten in erster Linie der Reichtum an Bodenschätzen, hauptsächlich an Zinn-Erz.

Berge

Die wichtigsten Berge das Landes: Doi Inthanon 2.595 m, Doi Pha Ham Pok 2.297 m, Doi Luang 2.195 m, Doi Suthep 2.185 m und Doi Pha Cho 2.024 m.

Flüsse

Die wichtigsten Flüsse sind (in Klammern die jeweilige Länge): In Zentral-Thailand: Chao Phaya (365 km) und Pasak (513 km). Im Nordosten: Mekong (4335 km, nur teilweise in Thailand), Chi (442 km), Mun (673 km). Im Norden: Ping (590 km), Wang (335 km), Yom (555 km) und Nan (672 km). Im Westen und Süden: Mae Klong (140 km), Petchburi (170 km), Tapi (214 km), Pattani (165 km).

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Thailand / Staat und Monarchie

24. Juni 1932, als eine Gruppe im Westen ausgebildeter Offiziere und Beamter einen Staatsstreich unternahmen, ist Thailand eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist König Bhumiphol Adulyadej.

Thais empfinden für ihre Königsfamilie eine Hochachtung, die westlichen Besuchern manchmal für das 20. Jahrhundert fast unangemessen erscheinen mögen, und die durchaus religiöse Züge trägt.

Ein Beispiel dafür ist zum Beispiel die Unterwürfigkeit, mit der selbst thailändische Premierminister oder Militärkommandanten ihrem König begegnen. Alle thailändischen Besucher bei Mitgliedern der Königsfamilie sitzen bei Audienzen stets dem König zu Füssen, auf dem Boden, während der König auf einem Thron oder bei weniger offiziellen Ereignissen auf einem Kanapee sitzt. Wird dem König etwas überreicht, kriecht man quasi auf ihn zu, der Kopf wird eingezogen und das zu Überreichende wird auf Über-Kopf-Höhe gehalten.

Mangelnde Respektbezeugung gegenüber der Königsfamilie ist in Thailand wahrscheinlich der schlimmste Affront, der einem ahnungslosen Touristen unterlaufen kann. Dabei kann ein Tourist einen bösen Fauxpas begehen, ohne dies zu merken.

Denn Respekt muss nicht nur den Mitgliedern der Königsfamilie persönlich, sondern auch allen ihren Porträts bezeugt werden. Dass man mit thailändischen Banknoten nicht verächtlich umgehen darf, weil sie das Konterfei des Königs tragen, kann man inzwischen in fast jedem Reiseführer über das Land nachlesen. Banknoten sollten deshalb nicht zerknittert werden, und wer sie öffentlich zerreisst, zieht nicht nur die Feindschaft derjenigen Thais auf sich, die ihn dabei beobachten, sondern begeht tatsächlich eine Straftat.

Dass man aber auch mit Briefmarken respektvoll umzugehen habe, weil auch diese mit dem Kopf des Königs bedruckt sind, mag sich sogar der Aufmerksamkeit von Ausländern entziehen, die glauben, das Land gut zu kennen.

Die Umwandlung von einer absoluten in eine konstitutionelle Monarchie im Jahre 1932 war die tiefgreifendste Veränderung in der Geschichte der thailändischen Monarchie, aber keineswegs war es der gewaltsamste Wechsel.

Wie jede alte Monarchie, so hat auch die thailändische Monarchie ihren Ursprung in der Stammesführerschaft. Gemäss der Erfahrung, dass Stammeshäuptlinge in der Geschichte der Menschheit in der Regel nie so unumschränkt herrschten wie Könige, hatte die Thai-Monarchie in Südostasien ihre Anfänge in Sukhothai mit einer Reihe von ausserordentlich volksnahen Königen. Das Konzept einer absoluten Monarchie wurde von thailändischen Königshäusern erst etliche hundert Jahre später übernommen, und zwar aus den Khmer-Reichen, die damals von den Thais erobert wurden. Von den Khmers übernahmen die Thais auch die Umgangsformen an Königshöfen und sogar die höfische Sprache.

Von der Sukhothai-Ära bis heute haben in Thailand, bzw. Siam, acht Dynastien geherrscht. Die Übergänge von einer zur nächsten Dynastie waren in der Regel blutig, und meistens war es ein hoher Palastbeamter oder General, der die alte Dynastie stürzte und seine eigene Familie als neue Dynastie einsetzte.

Die gegenwärtige Chakri-Dynastie, die auf eine Palast-Revolte im Jahre 1782 zurückgeht, ist die beständigste der thailändischen Geschichte. König Bhumiphol Adulyadej, der den Thron im Jahre 1946 bestieg (obwohl die Krönung erst im Jahre 1950 stattfand) ist der am längsten amtierende König der thailändischen Geschichte (und 1995 der am längsten amtierende Monarch der Welt).

König Bhumiphol Adulyadej wurde am 5. Dezember 1927 geboren. Am 28. April 1950 heiratete er Prinzessin Sirikit, und am 5. Mai 1950 wurde er zum König gekrönt (obwohl er den Thron schon 1946 bestiegen hatte). Die Kinder Bhumiphols und Sirikits sind Prinzessin Ubol Ratana (geboren am 5. April 1951, heiratete im August 1972 Peter Ladd Jensen und lebt in den USA), Kronprinz Vajiralongkorn (geboren am 28. Juli 1952 und verheiratet seit dem 3. Januar 1977 mit Soamsawali Kitiyakra), Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn (geboren am 2. April 1955, unverheiratet), Prinzessin Chulabhorn (geboren am 4. Juli 1957, verheiratet seit dem 7. Januar 1982 mit Virayudth Didyasarin).

Die Funktionen des Königs im gegenwärtigen thailändischen Staatswesen werden durch die Verfassung festgelegt. Der König eröffnet die Sitzungen des Parlaments und ernennt den Premierminister (wobei die Auswahl allerdings entweder von politischen Parteien oder vom Militär getroffen wird). Alle Regierungsgewalt wird in seinem Namen ausgeübt. Auf das tatsächliche politische Geschehen hat der König allerdings nur wenig Einfluss. Die Funktion des Staatsoberhaupts ist in Thailand weitgehend symbolischer und zeremonieller Natur.

Das thailändische Adelssystem ist mit europäischen Systemen nur bedingt vergleichbar. Jahrhundertelang war es die Regel, dass thailändische Könige nicht nur mit einer, sondern mit zahlreichen Frauen verheiratet waren. Alle thailändischen Könige des vergangenen Jahrhunderts hatten offiziell über 40 Kinder, und wie der thailändische Geschichts-Professor Rong Syamananda in seinem Buch History of Thailand vermerkt hat, war zum Beispiel König Mongkut mit 39 Frauen und König Chulalongkorn mit 36 Frauen verheiratet.

Trotzdem konnte sich ein legitimer Kronprinz immer nur aus einer bestimmten königlichen Ehe ergeben - einer solchen, in der die Frau vom König offiziell zur Königin erhoben worden war. War eine solche Entscheidung einmal gemacht, war sie normalerweise unumstösslich. Und nur die Kinder, die aus dieser Ehe hervorgingen, hatten von Geburt aus den Rang königlicher Prinzen und Prinzessinnen.

Dabei wurde Thailand nie nominell von einer Königin regiert; die Königin war immer nur die Frau des Königs und die Mutter von Prinzen und Prinzessinnen im königlichen Rang, nie aber Herrscherin.

Thailändische Adelstitel, von denen es in einer genauen hierarchischen Abstimmung weniger als 10 gibt, sind nur bedingt vererblich. Normalerweise hatten (haben) Kinder Adliger stets einen Rang, der um eine Stufe niedriger war als der Rang des Vaters, sofern es sich bei der ehelichen Verbindung mit der Mutter um die Hauptehe handelte. Ging das Kind aus einer Nebenehe vor, war der Rang noch niedriger.

Es stand jedoch stets in der Macht thailändischer Könige, Adelstitel nach Gutdünken zu verleihen oder auch wieder abzuerkennen. So stieg denn auch zum Beispiel im 17. Jahrhundert ein griechischer Immigrant in französischen Diensten, Constantine Phaulkon, bis zum höchsten Adelsrang auf. König Narai machte in nacheinander zum Luang Wijayen, zum Phra Wijayen, zum Phaya Wijayen und schliesslich sogar zum Chao Phaya Wijayen. König Narais Nachfolger erkannte Phaulkon jedoch zunächst alle Adelstitel ab und liess den Griechen dann obendrein noch hinrichten.

Wie schon erwähnt, wird die thailändische Königsfamilie in einer besonderen Sprache, dem Rachasap, angesprochen. Das Personalpronomen, das von Nicht-Mitgliedern der königlichen Familie verwendet wird, wenn sie im Gespräch mit Mitgliedern der Königsfamilie über sich selbst reden, lässt sich wörtlich übersetzen als "Ich, der ich nichts als Staub unter Ihren Füssen ist". Das Rachasap verwendet in grosser Zahl Termini aus der Khmer-Sprache.

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Thailand / Religion

Theravada-Konfession. Rund 94 % der Bevölkerung des Landes hängt dem Theravada-Buddhismus an. Die buddhistische Doktrin wird an allen Schulen des Landes ausser im moslemischen äussersten Süden gelehrt und ist fester Bestandteil des Lehrplans.

Fast alle buddhistischen religiösen Zeremonien haben das Wat zum Mittelpunkt. Wats sind meistens eine Mischung aus Kirche und Kloster. Es gibt rund 32.000 Wats im Land. Es ist Sitte, dass jeder Mann irgendwann in seinem Leben wenigstens einmal für drei Monate Mönch wird, um die buddhistische Lehre zu studieren. Auch der gegenwärtige König, Bhumiphol Adulyadej, war einmal während seiner Regentschaft Mönch, und zwar 1956, als er vom Palast ins Wat Bovornivet umzog. Kronprinz Vajiralongkorn wurde 1978 für einige Monate Mönch.

Während Äbte normalerweise auf Lebenszeit Mönch sind, stellen Mönche auf Lebenszeit in den Klostern normalerweise nur eine Minderheit dar. Mönche unterliegen einem strengen Zölibat. Es ist ihnen nicht nur der sexuelle Kontakt mit Frauen verboten, sondern er wird von Ihnen auch erwartet, dass sie nie in körperliche Berührung mit Frauen geraten. Allerdings besteht die Zölibats-Regelung nur für die Zeit, in der die Mönchskutte getragen wird. Deshalb können durchaus auch verheiratete Männer Mönch werden - auf beliebig lange. Allerdings sollten sie während dieser Zeit jeglichen körperlichen Kontakt mit ihrer Ehefrau vermeiden.

Mönche
















Photo: Thailändische buddhistische Mönche

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Der Buddhismus ist wahrscheinlich die toleranteste Religion auf der Welt. Der Buddhismus kann mit jeder anderen Religion auf der Welt koexistieren, und es verbietet der Buddhismus seinen Anhängern nicht einmal, gleichzeitig irgendeiner anderen Religion anzuhängen. Der Grund dafür ist, dass der Buddhismus im Grunde eine gottlose Religion ist - blasphemisch wie sich das für den Besucher aus dem Westen anhören mag. Der Buddhismus stellt sich über jegliches Gott-Verständnis - Gottheiten jeglicher Religion werden als Bestandteil der diesseitigen Welt aufgefasst. Die buddhistische jenseitige Welt, das Nirwana, steht über jeglicher Gottheit, und nach buddhistischem Verständnis unterliegen Gottheiten genauso den Erkenntnissen des Buddha wie jeder Mensch. Man könnte sagen, das Nirwana ist jenseits von Gut und Böse, während die Gottheiten anderer Religionen immer stets die gute Kraft verkörpern und deshalb diesseits von Gut und Böse sind.

Da der Buddhismus mit jeder anderen Religion koexistieren kann, blickt Thailand auf eine lange Tradition religiöser Toleranz zurück, ganz im Unterschied zu den anderen Welt-Religionen, insbesondere dem Christentum und dem Islam. Laut Verfassung ist der thailändische König (obwohl vorausgesetzt wird, dass er Buddhist ist) nicht nur das Staatsoberhaupt, sondern auch der Wahrer aller Religionen, nicht nur des Buddhismus.

Da es der buddhistischen Lehre widerspricht, irgend etwas durch Machtausübung zu erreichen, ist die buddhistische Religion nicht nur toleranter als andere Religionen - sie ist auch in geringerem Masse institutionalisiert. Eine Art buddhistischen Vatikan gibt es nicht. Dementsprechend wird ein Grossteil der weltlichen Angelegenheiten des Buddhismus, von Fragen des Landbesitzes bis zum Erhalt buddhistischer architektonischer Monumente, vom Staat wahrgenommen, und zwar über das Department of Religious Affairs im Bildungsministerium. Allerdings gelten viele Wats in jüngster Zeit als reich. In der Presse wurde berichtet, dass es unter den Wats etliche geben soll, die dicke Bankkonten unterhalten - eine Folge von Geld-Spenden reicher thailändischer Geschäftsleute.

Da es eine institutionalisierte buddhistische Kirche nicht in dem Ausmasse gibt, wie institutionalisierte christliche Kirchen, ist es in Thailand auch eher der Staat, der religiöse Vergehen definiert und sie auch strafrechtlich verfolgt.

Die folgende Erläuterung ist dem englischsprachigen Traveller's Guide to Thailand entnommen, der von der Tourist Authority of Thailand veröffentlicht wurde:

"Die Gesetze Thailands umfassen einige Paragraphen, die sich mit religiösen Vergehen befassen, und diese Gesetze gelten nicht nur für den Buddhismus, die Religion der Mehrheit der Thai-Bevölkerung, sondern auch für jede andere Religion, die im Königreich vertreten ist. So ist es zum Beispiel gesetzeswidrig, auf welche Art und Weise auch immer, eine Handlung zu begehen, durch die ein Gegenstand an einem Ort religiöser Verehrung jeglicher Religion beleidigt wird. Gleichermassen unterliegt eine Person, deren Handlungen als 'Störung einer Gemeinde zu verstehen ist, die sich gesetzmässig zu einer religiösen Versammlung oder dem Vollzug religiöser Zeremonien zusammengefunden hat', einer Bestrafung, ebenso wie jegliche Person, 'die sich durch ihre Kleidung oder durch religiöse Symbole als Priester, Mönch, Heiliger oder Kirchenmann ausweist, ohne rechtmässig selbige Position innezuhaben, und dies mit dem Anliegen, andere Leute glauben zu machen, man sei ein solcher Würdenträger.'

Hier sind, in einfacherer Formulierung, ein paar Hinweise, wie man sich zu verhalten hat, wenn man Orte religiöser Andacht besucht:

- Man sollte sauber angezogen sein. Besuchen Sie Orte religiöser Andacht nicht ohne Hemd, oder in kurzen Hosen, 'heissen Höschen' oder anderer unpassender Bekleidung. Schauen Sie sich Thais in Ihrer Umgebung an, und dann werden Sie sehen, welche Art von Bekleidung von Ihnen erwartet wird. Es ist dies eine Bekleidung, die sich wahrscheinlich nicht von der Bekleidung unterscheidet, die von Ihnen auch zu Hause erwartet wird, wenn Sie Orte religiöser Andacht besuchen.

- Es ist nichts daran auszusetzen, wenn Sie Ihre Schuhe anbehalten, während Sie in einem Tempelhof herumlaufen. Wenn Sie allerdings eine Tempelhalle besichtigen, sollten Sie Ihre Schuhe auf jeden Fall ausziehen. Seien Sie nicht um Schmutz besorgt. Die Böden von Tempelhallen sind in der Regel sehr sauber.

- Buddhistischen Mönchen und Priestern ist es verboten, Frauen zu berühren, oder von Frauen berührt zu werden, oder aus der Hand einer Frau irgend etwas entgegenzunehmen. Wenn eine Frau einem Mönch oder Novizen etwas geben möchte, dann übergibt sie dies zunächst einem Mann, der es dann weiterreicht. Die andere Möglichkeit ist, dass der Mönch einen Teil seiner Robe oder auch nur ein Taschentuch ausbreitet, auf das die Frau ihre Gabe dann legt.

- Alle Buddha-Darstellungen, ob gross oder klein, und auch ob zerstört oder nicht, gelten als heilig. Deshalb steigt man nicht auf Buddha-Statuen, um sich dort photographieren zu lassen, oder, allgemeiner gefasst: man tut nichts, was auf mangelnden Respekt für die Buddha-Statue schliessen liesse."

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Thailand / Sprache

einsilbige Wörter. Das ist ein Charakteristikum auch der chinesischen Sprachen und, mehr oder weniger, aller südostasiatischen Sprachen ausser den malaiischen. Dabei stellt jedes Wort eine unveränderbare Einheit dar - es gibt weder Konjugationen noch Deklinationen.

Des weiteren gibt es keine Regeln, die ein Wort einer bestimmten Wortkategorie zugehörig machen würde. Jedes Wort kann gleichermassen als Hauptwort (Substantiv), als Zeitwort (Verb), als Eigenschaftswort (Adjektiv) oder als Umstandswort (Adverb) auftreten. Als was es im Einzelfall fungiert, ergibt sich aus der Stellung im und dem Zusammenhang eines Satzes.

Zwar gibt es Wörter wie gahn = Tätigkeit oder kwahm = Zustand, die in Wortzusammensetzungen dazu führen, dass die jeweilige Kombination praktisch immer als Hauptwort verwendet wird. Aber keineswegs muss ein Wort wie gahn = Tätigkeit stets und immer verwendet werden, um ein Substantiv zu bilden.

Thai ist eine Sprache, die auf einsilbigen Wörtern basiert. Die Silben-Laute gehen weder ineinander über, noch werden Laute nebeneinander stehender Wörter einander angeglichen.

Zwar gibt es im heutigen Thai auch eine beachtliche Zahl mehrsilbiger Wörter, die nicht in einzelne Silben zerlegt werden können, welche für sich genommen eine Bedeutung haben (viele dieser Wörter sind Lehnswörter oder Angleichungen an Nachbarsprachen). Die grosse Mehrzahl der Thai-Wörter ist aber auch heute noch einsilbig. Aus einsilbigen Wörtern werden allerdings seit jeher Wortzusammensetzungen geformt.

Um den Unterschied zwischen mehrsilbigen Wörtern und Wortzusammensetzungen aus einsilbigen Wörtern kurz an Hand deutscher Beispiele zu erläutern:

Bau ist ein einsilbiges Wort und Herr ist ein einsilbiges Wort; Bauherr ist eine Wortzusammensetzung aus zwei einsilbigen Wörtern, wobei jede Silbe für sich genommen ein Wort mit Bedeutung ist.

Feuer dagegen ist ein zweisilbiges Wort, bei dem nicht jede Silbe für sich eine eigene Wortbedeutung hat; auch wenn es er als einsilbiges Wort gibt, hat es mit der Endung er in Feuer nicht das geringste zu tun.

Es versteht sich von selbst, dass in einer Sprache, die auf einsilbigen Wörtern basiert, die Zahl der Laute, denen eine eigene Bedeutung zugeordnet werden kann, beschränkt ist. Deshalb ergeben sich in einer einsilbig strukturierten Sprache zahlreiche Wörter des selben Lauts, die aber verschiedene Bedeutungen haben (Homonyme).

Um Verwechslungen vorzubeugen, verwendet die Thai-Sprache, wie auch das Chinesisch, verschiedene Ton-Höhen, wodurch Homonyme (gleichlautende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen) voneinander unterschieden werden. In der offiziellen Thai-Sprache gibt es fünf Tonhöhen, in einigen Dialekten werden jedoch sechs oder sieben Tonhöhen voneinander unterschieden.

Es muss in diesem Zusammenhang allerdings angemerkt werden, dass von vielen nicht-thailändischen Autoren die Rolle der Homonyme in der Thai-Sprache übermässig als Unterscheidung von westlichen Sprachen hervorgehoben wird, besonders in Reiseführern. Es entsteht dabei oft der Eindruck, Homonyme seien eine Einzigartigkeit der Thai- und anderer tonaler Sprachen, für die es in den westlichen Sprachen keine Entsprechung gäbe. Das ist natürlich Unsinn. Denn in allen europäischen Sprachen, auch im Deutschen, gibt es Homonyme in grosser Zahl.

Eine Bank ist etwas, worauf man sitzt, oder ein Institut, auf das man Geld einzahlt oder von dem man Kredit bekommt. Eine Leuchte ist entweder ein Beleuchtungskörper oder eine besonders gescheite Person. Schwindel ist entweder ein leichter Betrug, oder ein vorübergehender Verlust des Gleichgewichtssinnes.

Während in den obengenannten Fällen ein und das selbe Wort zwei grundlegend verschiedene Bedeutungen hat, gibt es zahlreiche Fälle, in denen Wörter nur so geringfügig voneinander abweichen, dass regionale Unterschiede der Aussprache. weitaus schwerer ins Gewicht fallen.

Jemand, der mit der deutschen Sprache nicht aufgewachsen ist, wird sich wundern dass Mädle, Mädsche, Meidle, Meid, Mädel - gesprochen oder geschrieben - alles regionale Abwandlungen von Mädchen sind, die am Wortsinn nichts ändern - während es einen grossen Unterschied macht, ob man gelehrt oder geleert schreibt. Keineswegs ist es also so, dass Homonyme oder ähnlich klingende Wörter etwas sind, was die thailändische Sprache grundsätzlich von europäischen Sprachen unterscheiden würde, auch wenn die Zahl der Homonyme im Thai grösser ist.

Sprachen sind lebende Systeme, die sich ständig wandeln, nicht Sammlungen sturer mathematischer Formeln. Und die wichtigste Funktion von Sprachen ist es auch nicht, logisch und korrekt zu sein, sondern verstanden zu werden.

In allen Sprachen ergeben sich Bedeutungen stets vielmehr aus dem Zusammenhang als aus der korrekten Aussprache, und da macht die Thai-Sprache keine Ausnahme. Deshalb muss man sich des Umstandes bewusst sein, dass es zwar in der Thai-Sprache verschiedene Ton-Höhen gibt, um unterschiedliche Bedeutungen von Wörtern gleicher Laut-Kombination zu unterscheiden, dass es aber erstens bei der Betonung starke regionale Unterschiede gibt, und dass auch Thais wesentlich aus dem Satzzusammenhang auf die Bedeutung einzelner Wörter schliessen.

Ein Ausländer wird deshalb auch dann oft verstanden, wenn er zwar die jeweils richtigen Laut-Kombinationen, aber die falschen Tonhöhen verwendet - vorausgesetzt, es kann aus dem Zusammenhang, in dem ein Wort gesprochen wird auf die gemeinte Bedeutung geschlossen werden.

Homonyme sind keine Einzigartigkeit tonaler Sprachen. Allerdings gibt es im Thai Homonyme in fast endloser Zahl. Um dafür nur ein Beispiel zu nennen:

Der Laut, bzw. das Wort mai allein kann in verschiedener Betonung und Thai-Schreibweise heissen: nicht, Holz, Meile , verwitwet, Seide, neu, brennen . Welche Bedeutung die zutreffende ist, wird in der Regel aber nicht nur aus der Betonung, sondern auch aus dem Zusammenhang klar.

Wird das Wort in einem Satz über eine Frau verwendet, so ist klar, dass der Sprecher nicht meinen kann, sie sei aus Holz oder aus Seide, sondern eben verwitwet. Des Rätsels Lösung ergibt sich in der Thai-Sprache ebenso aus den Nachbarwörtern, wie sich im Deutschen aus den Nachbarwörtern ergibt, ob das Wort Bank im Einzelfall die Sitzgelegenheit oder das Geldinstitut bezeichnet.

Denn auch im Deutschen weist grammatikalisch nichts darauf hin, dass ein Mann, der von sich sagt Morgen bringe ich Geld zur Bank damit nicht meinen sollte, er werde am nächsten Tag einen Geldschein auf eine Parkbank legen. Trotzdem wird niemand die Aussage so verstehen. Das gleiche gilt für Sätze wie Der Stamm der Sioux-Indianer wurde weitgehend aufgerieben (offensichtlich wurde hier nicht ein den Sioux-Indianern gehörender Baumstumpf zu Sägemehl verarbeitet - obwohl der Satz auch das heissen könnte).

Wie im Thai, so lässt also auch im Deutschen stets der Zusammenhang die wichtigsten Rückschlüsse darauf zu, was gemeint ist.

Im Vorwort zu ihrem Buch The Fundamentals of the Thai Language schrieben Stuart Campbell und Chuan Shaweevongs 1956 (Übersetzung aus dem Englischen): "In früheren Büchern über Thai für Ausländer... werden die Betonungen von Anfang an behandelt, doch sind wir davon abgekommen, da es nur Verwirrung stiftet, sich mit den Betonungen zu befassen, bevor Sie sich einen Grundwortschatz angeeignet haben... Wir glauben, dass die Betonungen im Vergleich zum Erlernen eines Grundwortschatzes zweitrangig sind... In nur vergleichsweise wenigen Fällen wird eine falsche Betonung dazu führen, dass man Sie falsch versteht."

Ähnlich äusserte sich der damalige absoluten Monarch Siams, König Rama VI 1912 in einem Brief an die Siam Society zur Frage eines Systems zur Romanisierung der Thai-Sprache: "Ich schlage vor, dass der Tonwert siamesischer Konsonanten überhaupt ignoriert wird... da die Bedeutung stets aus dem Zusammenhang hervorgeht... Aus selbigem Grund denke ich, es wäre am besten, alle siamesischen Akzente einfach wegzulassen." (Zitiert nach dem Vorwort von The Fundamentals of the Thai Language der Autoren Stuart Campbell und Chuan Shaweevongs, 1957)

Da Sprachen keine starren Systeme sind und neue Bedeutungen tagtäglich eingeführt werden, kann es keineswegs überraschen, dass es in der Thai-Sprache trotz verschiedenartiger Betonungen lautgleicher Wörter auch Homonyme gibt, die nicht nur lautgleich, sondern gleichzeitig auch betonungsgleich sind.

Lautgleichheit und Betonungsgleichheit (wie in den deutschen Wörtern Laib und Leib oder Lerche und Lärche) ist dabei in der gesprochenen Sprache ein grösseres Problem als in der geschriebenen, da eine unterschiedliche Schreibweise ein und desselben Lauts oder einer Lautfolge eine eindeutige begriffliche Zuordnung zulässt. Doch neben laut- und betonungsgleichen Homonymen gibt es im Thai auch Homonyme, die laut- und betonungsgleich sind, darüber hinaus aber gleich geschrieben werden (wie ja auch im Deutschen die oben zitierten Wörter Bank, Leuchte und Schwindel).

Dazu ein Beispiel: das Wort sai hat bei gleicher Schreibweise und Aussprache zwei gänzlich verschiedene Bedeutungen; einerseits heisst es Leine, Schnur, Kabel, andererseits heisst es spät; in anderer Schreibweise gibt es: sai = links, sai = Sand oder Strand, sai = klar, durchsichtig, sai = hinzufügen, sai = ziehen oder schieben, sai = Schwarze Magie, sai = Eingeweide, sai = schütteln; diese Liste der sai-Wörter ist keineswegs vollständig - und die sai-Wörter sind eine Ausnahme besonders zahlreicher Bedeutungen.

Um bei der aufgezeigten Vielfalt der Homonyme zwischen den einzelnen Bedeutungen zu unterscheiden, verfügt die Thai-Sprache neben der Kennzeichnung durch unterschiedliche Betonung und unterschiedliche Schreibweise über mindestens drei weitere Methoden zur Differenzierung lautgleicher Wörter (Homonyme). Und es hat sich längst eingebürgert, diese zusätzlichen Methoden zur Klarstellung auch dann anzuwenden, wenn zwischen Wörtern unterschieden werden soll, die zwar lautgleich, nicht aber betonungsgleich sind.

Die erste dieser Möglichkeiten ist, dem mehrdeutigen Wort ein Präfix voranzustellen, das klarstellt, was mit einem Wort gemeint ist. Zum Beispiel: das Thai-Wort jahng kann einen Reiher, einen Gummibaum oder eine Substanz wie Latex oder Gummi bezeichnen. Wird dem Wort jahng aber das Wort nog = Vogel als Präfix vorangestellt, so ist klar, dass nog jahng den Vogel der Reiher-Art bezeichnet. Wenn dagegen das Wort ton = Baum, Pflanze dem Wort jahng als Präfix vorangestellt wird, bleibt kein Zweifel daran, dass ton jahng den Gummibaum meint. Das Präfix klassifiziert das ursprünglich mehrdeutige Wort, und selbst eine falsche Betonung kann die sich daraus ergebende Eindeutigkeit nicht mehr umstossen.

Auch dies ist übrigens keine Einzigartigkeit der Thai-Sprache. Im Deutschen verwendet man ja auch gerne die ausführlicheren Wörter Blumenstrauss und Vogel-Strauss, um Missverständnissen vorzubeugen, obwohl Strauss allein grammatikalisch jeweils durchaus zureichend wäre.

Die zweite in der Thai-Sprache verwendete Möglichkeit, Eindeutigkeit zu schaffen, besteht darin, zwei Wörter ähnlicher, sich ergänzender Bedeutung nebeneinander zu stellen, woraus sich wiederum eine Klarheit ergibt, die auch durch falsche Betonung nicht mehr beeinträchtigt werden kann. Das Wort kah, zum Beispiel, hat eine Reihe von Bedeutungen und Schreibweisen, von denen eine kah = töten ist. Wird nun dem Wort kah das weitere Wort fan = mit einer Waffe aufschlitzen beigestellt, so bleibt kein Zweifel daran bestehen, dass kah im Sinne von töten gemeint ist. Die Kombination hat sich dabei zur unmissverständlichen stehenden Wendung entwickelt, die schlechtweg töten heisst. (Vergleiche in der deutschen Kindersprache totschiessen, wohingegen Erwachsene normalerweise erschiessen vorziehen - als Wort natürlich nur.)

In manchen Fällen haben beigestellte Wörter in festen Redewendungen sogar ihre eigene Bedeutung verloren. Und bisweilen hat eine feste Redewendung aus zwei nebeneinander gestellten Wörtern eine gänzlich neue Bedeutung angenommen. bahn müang, zum Beispiel, heisst Land oder Nation, und es setzt sich zusammen aus bahn = Haus, Dorf und müang = Stadt.

Eine Eigentümlichkeit der Thai-Sprache ist es, dass Wort-Aneinanderreihungen nicht nur im Hinblick auf den Sinn, sondern auch unter Berücksichtigung der Wortmelodie gebildet werden. Bei der Aneinanderreihung von zwei Wörtern wird als zweites meist ein Wort mit einem musikalischen Klang verwendet. Werden vier Wörter aneinandergereiht, wird versucht, die mittleren beiden zu reimen.

Die dritte Möglichkeit, mit der klargestellt werden kann, wie ein Homonym zu verstehen ist, besteht darin, das Objekt eines Begriffs mitzubenennen. Ein paar Beispiele: jing pühn = feuern Gewehr heisst schiessen; gin to = essen (am) Tisch heisst dinieren<; non süa = schlafen (auf einer) Matte heisst sich zum Schlafen niederlegen. Die gebräuchlichste dieser Konstruktionen ist gin kau = essen Reis, was als Synonym für essen ganz allgemein verwendet wird - auch wenn die Grundlage eines Gerichts gar nicht Reis, sondern Nudeln sein sollten.

Die obengenannten Strukturmerkmale charakterisieren übrigens auch das Pidgin-Englisch, das quasi eine Ver-Chinesisierung des Englischen ist. Tatsächlich werden auch im Chinesischen zahlreiche Wortzusammenstellungen der selben Art gebildet.

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Thailand / Geschichte / Königreich Sukhothai

1238 gegründet, als zwei Thai-Prinzen in Khmer-Diensten, Khun Bang Klang und Khun Pa Muang, eine Rebellion gegen die Herrschaft der Khmers beginnen und damit Erfolg haben. Sie schlagen eine Armee des Khmer-Generals Khan Lampong und erklären Sukhothai zum unabhängigen Staat. Khun Bang Klang wird zum König gekrönt und wählt den Titel Sri Inthrathit. Sein Partner in der Rebellion, Khun Pa Muang, wird zwar mit einem Regierungsposten belohnt; da er jedoch mit einer Khmer-Prinzessin verheiratet ist, stehen die Thais ihm misstrauisch gegenüber.

In den folgenden Jahren wächst das Sukhothai-Reich schnell, einerseits auf Grund militärischer Eroberungen, andererseits auf Grund eher diplomatischer Annexionen. Diese diplomatischen Annexionen ergeben sich aus dem Umstand, dass Sukhothai nach heutigem Wissen ein sehr liberaler junger Staat war, dem Nachbar-Fürstentümer gewissermassen gern beitraten, nachdem sie sich von der Khmer-Herrschaft befreit hatten. Es gab in Sukhothai keine Sklaverei, noch legte der Staat den Bürgern eine übermässige Steuerlast auf. Die Staatsform war zwar schon die eines Königreiches, aber die Herrscher Sukhothais regierten nicht absolut, und die Könige galten keineswegs als Gott-Könige wie zum Beispiel im Regierungssystem der Khmers. 1279 wird Ramkhamhaeng, der dritte von drei Söhnen Sri Inthrathits, König Sukhothais. Er ist allerdings nicht der direkte Nachfolger seines Vaters. Sein älterer Bruder Ban Muang (der nicht zu verwechseln ist mit Prinz Pa Muang, Sri Inthrathits Partner in der Rebellion gegen die Khmers) regierte in der Zwischenzeit; doch gibt es keine historischen Aufzeichnungen darüber, wann Ban Muang den Thron bestiegen und für wie lange er ihn inne hatte. Da es über die Regierungszeit Ban Muangs keinerlei historische Quellen gibt, war es höchstwahrscheinlich eine glückliche und friedvolle Zeit. Doch mit der Friedlichkeit ist es vorbei, als Ramkhamhaeng den Thron besteigt. In den folgenden Jahren erobern Ramkhamhaengs Armeen ein Gebiet, das nicht nur die Fläche des heutigen Thailand umfasst, sondern auch den Osten des heutigen Burma und praktisch die gesamte Malaiische Halbinsel. In ethnischen Kategorien ausgedrückt, herrschte Ramkhamhaeng nicht nur über Thais, sondern auch über Burmesen, Mons und Shans im Westen, über Malaien im Süden, und über Khmers und Laoten im Osten.

Da die Beziehungen zwischen Ramkhamhaeng und König Mengrai herzlich sind, verzichtet Ramkhamhaeng auf einen Eroberungszug gegen den schwächeren Nachbarn im Norden. Doch wie beeindruckend seine militärischen Erfolge auch sein mögen, so sind sie doch keineswegs Ramkhamhaengs einzige Leistung. Ramkhamhaeng gilt ausserdem als der Begründer der Thai-Schrift, er kodifiziert die Gesetze seines Reiches und reformiert den Buddhismus in Südostasien, wobei er den Mönchen einen strengeren Verhaltenskodex auferlegt. Das Thai-Alphabet, das er entwickelt oder entwickeln lässt, ist sowohl an das Sanskrit, als auch das Pali (beides Sprachen indischen Ursprungs) angelehnt, enthält darüber hinaus aber auch Elemente aus dem Burmesischen und der Khmer-Sprache, die beide wiederum auf Sanskrit und Pali basieren. Integriert in die Thai-Sprache werden aber nicht nur Schriftzeichen aus den Nachbarsprachen, sondern auch ganze Wörter. Dies erklärt, warum die Thai-Sprache, obwohl sie ursprünglich aus einem ganz anderen Siedlungsraum stammt als die Nachbarsprachen, mit diesen eine grosse Zahl gleicher Ausdrücke teilt. Dabei hat das Thai hauptsächlich Adaptationen bei der Khmer-Sprache gemacht, die wiederum viel vom Sanskrit übernommen hatte (die Khmers waren für viele Jahrhunderte Hindus, bevor sie zum Buddhismus übertraten.) Hauptsächlich die spezielle Thai-Sprache, die am Königshof gesprochen wurde und nach wie vor gesprochen wird, ist reich an Khmer-Ausdrücken.

Im Jahre 1371 marschiert König Boromaraja I von Ayutthaya, einem neu gegründeten Thai-Königreich südlich von Sukhothai, in Gebieten ein, die von Sukhothai regiert werden. Sieben Jahre später akzeptiert König Tammaraja II von Sukhothai für sein Reich den Status als Vasall Ayutthayas. Damit endet die unabhängige Geschichte Sukhothais nach nur 140 Jahren.

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Thailand / Geschichte / Ayutthaya-Epoche

1350, nach dem Tod des Königs, der führende General des Königreiches selbst den Thron und nimmt den neuen Namen Rama Tibodi I an. Eine seiner ersten Regierungsentscheidungen ist es, die Hauptstadt des Reiches rund 50 Kilometer nach Osten, nach Ayutthaya, zu verlegen.

Schon 1352 erobert Ayutthaya das Khmer-Reich und verleiht es dem eigenen Hoheitsgebiet ein. Doch obwohl es Siam ist, welches das Khmer-Reich erobert, verläuft die kulturelle Beeinflussung in den folgenden Jahrzehnten eher in umgekehrter Richtung. Khmer-Sitten und Khmer-Kultur penetrieren Siam in weitaus stärkerem Masse als siamesische Kultur und siamesische Sitten das vormalige Khmer-Reich. Unter den Khmer-Importen sind zum Beispiel Sklaverei und das Konzept einer absoluten Monarchie.

In einem viermonatigen Krieg belagern im Jahre 1549 burmesische Truppen Ayutthaya. Es ist dies die erste von mehreren burmesischen Invasionen und thai-burmesischen Kriegen über einen Zeitraum von etwa 50 Jahren. Es wird angenommen, dass die Burmesen durch die Palastkämpfe in Ayutthaya zu der Invasion verleitet wurden, da man in Burma offensichtlich annahm, das innenpolitisch geschwächte Siam werde eine leichte Beute sein. Es ist Siams Pech, dass just zu der Zeit, da das Land der Thronfolgekämpfe wegen im Chaos liegt, das Nachbarland Burma von einer Folge fähiger Kriegskönige regiert wird. Dem ersten dieser Kriegskönige, Tabengshweti, der von 1531 bis 1550 herrscht, gelingt die Vereinigung Burmas mit einer territorialen Ausdehnung, die derjenigen des gegenwärtigen Burmas weitgehend entspricht. Schon dem damaligen burmesischen Reich werden die Fürstentümer der Mon (im Süden) und der Shan (im Norden) einverleibt. Nachdem König Tabengshweti im Jahre 1550 vergiftet wird, besteigt sein General und Schwager als König Bhueng Noreng (mit anderem Namen König Hanthawadi) den Thron; dieser ist nicht minder kriegerisch veranlagt als Tabengshweti.

Im Jahre 1563 marschiert wiederum eine burmesische Armee in Siam ein. Für diesen Feldzug hat der König von Burma, Bhueng Noreng, seine Truppen mit Mannschaften aus zahlreichen Vasallenstaaten verstärkt, von denen manche aus so östlichen Regionen wie dem heutigen Laos stammen. Historische Quellen behaupten, die burmesisch geführte Armee sei 200.000 Mann stark gewesen. Die burmesischen Truppen nehmen zunächst die siamesischen Städte Sawankalok und Pijai ein.

Da die Thais die burmesische Kriegstaktik falsch einschätzen, gelingt den Burmesen ein Jahr später ein Überraschungsangriff auf Ayutthaya. König Chakrapat wendet die drohende Zerstörung der Stadt ab, indem er sich auf einen für Burma überaus vorteilhaften Friedensvertrag einlässt, dessen Bedingungen vom burmesischen König Bhueng Noreng diktiert worden waren.

Trotz des Friedensvertrages halten die Kriegswirren in den folgenden Jahren an, und am 30, August 1569 fällt Ayutthaya nach einer burmesischen Belagerung von sieben Monaten zum erstenmal in der Geschichte der Stadt. Der Sieg des burmesischen Königs Bhueng Noreng und seines Thai-Bundesgenosen Khun Pirentorateps (Prinz Maha Tammarajas) beruht jedoch nicht auf der Tapferkeit der Belagerer, sondern auf einem Hoch- und Landesverrat, den sich wahrscheinlich Prinz Maha Tammaraja ausgedacht hatte. Es gelang den Belagerern nämlich, den Verräter Pijai Chakri nach Ayutthaya hineinzuschmuggeln. Pijai Chakri war von den Burmesen im Jahre 1563 als Geisel nach Burma entführt und dort einer totalen Gehirnwäsche unterzogen worden. Es gelang ihm, nach Ayutthaya eingelassen zu werden, indem er eines Tages vor den Toren der Stadt auftauchte - zurechtgemacht als entlaufener Gefangener. Er erschlich sich das Vertrauen König Mahins, indem er behauptete, es sei ihm gelungen, aus der burmesischen Gefangenschaft zu entfliehen, und versichert, mit allen Kräften verhindern zu wollen, dass Ayutthaya von den Burmesen eingenommen werde. In einem Akt schier unglaublichen Leichtsinns wird Pijai Chakri die Verantwortung für wichtige Verteidigungsanlagen übergeben. Heimlich gibt er jedoch Informationen an die Belagerer, und als die Burmesen zum Endangriff ansetzen, schwächt er bewusst die Verteidigung in einem Abschnitt, durch den die burmesischen Truppen schliesslich in die Stadt eindringen.

15 Jahre nach dem Fall Ayutthayas, am 3. Mai 1584 kündigt Prinz Naresuan, mit Einverständnis seines Vaters, König Maha Tammaraja, den Burmesen das Vasallenverhältnis auf. Im Dezember des selben Jahres marschiert eine burmesische Armee, deren Stärke auf 300.000 Mann geschätzt wurde, in Siam ein. Prinz Naresuan schwächt die burmesische Armee mit einer Politik der verbrannten Erde. Er zieht siamesische Einheiten aus dem Aufmarschgebiet der Burmesen ab, hinterlässt aber nur brennende Dörfer und Städte, die den burmesischen Truppen nichts mehr nützen können. Die burmesische Invasion schlägt fehl.

Nach dem Tod König Prasattongs im Jahre 1655 werden Fragen der Thronfolge wieder einmal mit dem Säbel entschieden. Nachfolger Prasattongs ist zunächst dessen ältester Sohn, Prinz Chao Fa Yai. Der Onkel des neuen Königs, Prinz Srisutammaraja, und sein eigener Bruder, Prinz Narai, konspirieren jedoch gegen Chao Fa Yai, entführen ihn und richten ihn auf königliche Weise hin - das heisst, der Thronfolger wird in einen Samtsack eingeschnürt und mit Keulen aus Sandelholz totgeschlagen. Prinz Srisutammaraja wird daraufhin zum neuen König gekrönt, sein Bundesgenosse, Prinz Narai wird zum stellvertretenden König ernannt.

Ein paar Monate später führt Prinz Narai, der schon zuvor keine Skrupel gehabt hatte, seinen eigenen Bruder totzuschlagen, eine Palastrevolte gegen seinen zum König gekrönten Onkel an. Die Kämpfe im Palast dauern mehrere Tage an und enden damit, dass der König hingerichtet wird - wie üblich auf "königliche Art und Weise" (siehe oben). In einer Publikation der thailändischen Fremdenverkehrsbehörde ist davon die Rede, Prinz Narai sei zur Rebellion gereizt worden, da König Srisutammaraja die jüngere Schwester Prinz Narais mit Annäherungsversuchen belästigt habe. Sei's drum, Narai wurde zum neuen König gekrönt, und er regierte Siam für 32 Jahre, bis 1688. Während seiner langen Regierungszeit öffnet sich Siam weit dem europäischen Einfluss, durch den das Land einen ersten Modernisierungsschub erfährt - allerdings nicht mit Bezug auf die politische Kultur.

In den Jahren 1758-1760 ist es Siams Pech, dass wieder einmal just zu der Zeit, als es selbst von einem nur bedingt fähigen König regiert wird, eine neue mächtige Dynastie im benachbarten Burma an die Macht kommt. Nachdem Burma über Jahrzehnte mehr oder weniger desintegriert gewesen war, wird das Land von einem militärisch talentierten Fürsten von Moksobo (Shwebo), dem späteren König Alaungsaya, in einer atemberaubenden Serie ständiger Siege vereinigt. 1759 marschiert König Alaungsaya in Siam ein und erobert für Burma die Städte Tavoy, Mergui und Tenasserim (auf heute südburmesischem Gebiet).

Im April 1760 belagert König Alaungsaya Ayutthaya. Der siamesische König Ekatat ahnt, dass er der Führungs-Herausforderung nicht gewachsen ist und bittet deshalb seinen jüngeren Bruder, den vormaligen König Utumpon, vorübergehend in seinem, Ekatats, Namen die Regierung und militärische Leitung der Verteidigung zu übernehmen. Allerdings ist es kurz darauf nicht Utumpons Geschick, sondern ein militärischer Unfall im burmesischen Lager, der Ayutthaya rettet. Denn als der burmesische König Alaungsaya sich schwer verletzt, während er selbst eine Kanone bedient, entscheidet er sich für einen Rückzug nach Burma. König Alaungsaya stirbt noch während des Rückzugs.

Aber schon im Juni 1765 belagert die Burmesen einen neuen Feldzug gegen Siam, und zwar diesmal mit zwei Armeen, einer, die von Chiang Mai aus nach Süden vordringt, und einer zweiten, die von Westen her in Richtung Ayutthaya marschiert.

Im Februar 1766 beginnen die Burmesen erneut mit einer Belagerung Ayutthayas. König Ekatat bietet seinem jüngeren Bruder Utumpon wiederum eine temporäre Königswürde an, doch diesmal lehnt Utumpon ab. Einige Wochen nach Beginn der Belagerung gelingt es einem General Ekatats, Chao Phaya Taksin, mit einer Truppe von rund 500 Mann den burmesischen Belagerungsring zu durchbrechen und aus Ayutthaya zu fliehen. Taksin ist der Sohn eines chinesischen Vaters und einer siamesischen Mutter. Sein ursprünglicher Name ist Hai Hong. Der Name Taksin wurde ihm nachträglich verliehen, da er für einige Jahre Gouverneur der Provinz Tak gewesen war.

Nach einer 14-monatigen Belagerung fällt Ayutthaya am 7. April 1767 und König Ekatat flieht. Diesmal kennen die Burmesen kein Erbarmen und brennen die Stadt bis auf die Grundmauern nieder. Das Ziel ist nicht wie 198 Jahre zuvor, Siam zu einem Vasallen Burmas zu machen, sondern es von der politischen Landkarte zu löschen.

Im Glauben, sein Ziel, Siam auszulöschen, erreicht zu haben, zieht sich der burmesische König Mongra im Mai 1767 mit seiner Hauptarmee nach Burma zurück und belässt auf siamesischem Territorium nur eine kleine Besatzungstruppe. In der Zwischenzeit hält sich Chao Phaya Taksin mit seiner 500-Mann Armee im östlichen Siam versteckt, da dort die burmesische Macht am schwächsten ist. Taksin verbündet sich zunächst mit dem Gouverneur der östlichsten siamesischen Provinz Chantaburi, doch es bricht zwischen den beiden Männern Führungsneid aus. Dies führt zu einem kurzen Konflikt, in dem Taksin obsiegt, ein Umstand, der ihn de facto zum Herrscher über das östliche Siam macht.

Im Dezember 1767 verlegt Taksin die Hauptstadt des siamesischen Reiches nach Thonburi, wo er sich als neuer König krönen lässt.

Nachdem Taksin zum unumschränkten Herrscher über Thailand geworden ist, bricht im März 1782 in Thonburi eine Revolte gegen König Taksin aus, von dem gesagt wird, er sei wahnsinnig geworden. Die Rebellion ist erfolgreich, und Taksin wird gefangengesetzt. Chao Phaya Chakri, der oberste General Taksins, eilt aus Kambodscha zurück nach Thonburi, allerdings nicht mit der Absicht, den gefangengesetzten König zu befreien. Ein Rat der Generäle Taksins beschliesst die Hinrichtung des Königs, die sofort vollstreckt wird. Chao Phaya Chakri wird daraufhin zum neuen König gekrönt. Es ist dies die Geburtsstunde der Chakri-Dynastie, die bis heute den thailändischen Thron besetzt.

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Thailand / Geschichte / Bangkok-Ära - Absolute Monarchie

1782 wird Chao Phaya Chakri als König Rama I gekrönt. Es ist dies der Anfang der Chakri-Dynastie, die bis heute den thailändischen Thron besetzt. Die ersten Entscheidungen des neuen Königs betreffen seine Hauptstadt. In verkürzter Form wird oft behauptet, Rama I hätte Bangkok als seine Hauptstadt gegründet, während zuvor Thonburi die Hauptstadt gewesen sei. Die Geschichte wird in dieser kurzen Form allerdings nicht korrekt wiedergegeben. Zum einen wurde Bangkok eigentlich nicht von Rama I gegründet. Die Stadt bestand schon seit Jahrhunderten, und sie war ein wichtiger Stützpunkt Siams im Handel mit Europa. Des weiteren ist die scharfe Trennung zwischen Bangkok und Thonburi geschichtlich nicht gerechtfertigt. Während die europäischen Händler beim Namen Bangkok blieben, einem Namen, den die Siedlung schon als kleines Dorf trug, war für die Thais die Stadt rechts und links des Chao-Phaya-Flusses Thonburi. Den Namen Thonburi erhielt die Siedlung beiderseits des Chao Phaya, als sie vom Dorf zur Stadt aufgewertet wurde. König Taksin hatte sich Thonburi als Hauptstadt ausgesucht. Und während es zutreffend ist, dass König Taksin seinen Palast und alle wichtigen neuen Gebäude auf dem rechten Ufer des Chao-Phaya-Flusses errichtete, umfasste die Stadt Thonburi doch beide Ufer des Flusses. König Taksins strategische Idee war es, den Fluss mitten durch die Hauptstadt fliessen zu lassen, da er einen neuerlichen burmesischen Angriff fürchtete und der Fluss als schneller Fluchtweg aus der Stadt dienen sollte.

Als jedoch Chao Phaya Chakri König von Siam wurde, war von der burmesischen Bedrohung nicht mehr viel übrig geblieben und Siam war längst wieder erstarkt. Rama I dachte nicht mehr in Fluchtweg-Kategorien, sondern in Kategorien einer starken Verteidigung. Für eine starke Verteidigung war ein grosser Fluss, der mitten durch die Hauptstadt floss, jedoch eher ein Nachteil, da der Flusslauf nur schwer zu verteidigen sein würde. Er entschloss sich deshalb dazu, den auf dem Westufer des Chao Phaya gelegenen Stadtteil, das heutige Thonburi, quasi aufzugeben und mit seinem Palast und den anderen zentralen Einrichtungen auf das Ostufer, das heutige Bangkok im westlichen Sprachgebrauch, umzuziehen. Um in günstigster Lage für seinen Palast Platz zu schaffen, wurde ein ganzes von Chinesen bewohntes Viertel des alten Bangkok schlechtweg evakuiert und niedergewalzt. Die chinesische Bevölkerung wurde drei Kilometer flussabwärts, in einem Gebiet mit Namen Samphaeng, neu angesiedelt. Das Samphaeng-Gebiet ist noch heute die Chinatown Bangkoks.

Im Jahre 1785 werden der neue grosse Königspalast und der Tempel des Smaragd-Buddha fertiggestellt. Die neue Hauptstadt wird offiziell eingeweiht und auf den folgenden neuen Namen getauft: "Khrung Thep Maha Nakhon Amorn Rattanakosindra Mahindrayutthaya Mahadilokpop Noparattana Radchhani Burirom Udom Rachnivet Mahastan Amorn Pimarn Avatarn Satit Sakatuttiya Vishnukarm Prasit." Auf deutsch: "Stadt der Engel, Grosse Stadt und Wohnsitz des Smaragd-Buddha, Uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, Grosse Hauptstadt der Welt, Geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, Reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm erbaut wurde". Der Einfachheit halber wird der Name umgangssprachlich abgekürzt. Und westliche Besucher sind bis heute bei dem Namen geblieben, den die Siedlung trug, als sie noch ein kleines Dorf war: Bangkok.

Am 7. Dezember 1809 stirbt König Rama I im Alter von 72 Jahren, und einer seiner Söhne (er hatte 17, plus 25 Töchter) wird unter dem Namen Rama II neuer König. Es ist an dieser Stelle anzumerken, dass die siamesischen Thronfolge-Regelungen mit den europäischen nicht identisch waren. Grundsätzlich hatte ein König freie Hand, seinen Nachfolger selbst zu bestimmen. Die Wahl fiel entweder auf einen Bruder oder einen Sohn. Der Thronfolger wurde oft früh bestimmt, und er erhielt den Titel Maha Uparat, was soviel wie Prinz des vorderen Palastes bedeutete. Tatsächlich bewohnte der designierte Thronfolger oft einen Palast, der dem des regierenden Königs vorgelagert war.

Gleichzeitig gab es oft auch einen Prinzen des hinteren Palastes, der als zweiter in der Thronfolge designiert war, und dieser bewohnte tatsächlich oft einen Palast, der sich hinter dem des Königs befand. Obwohl Thronfolge-Angelegenheiten nach diesem System sauber geordnet schienen, waren es aber oft weniger die Entscheidungen eines regierenden Königs, von denen es tatsächlich abhing, wer ihm auf den Thron nachfolgte, sondern die tatsächlich herrschenden Machtverhältnisse. Königsmord war zwar nicht der Stil mittelalterlicher thailändischer Politik; doch Thronfolgermord kam regelmässig vor, und oft war es ein führender General, der sich nach dem Tod eines Königs selbst auf den Thron beförderte.

Nach dem Tod seines Halbbruders König Rama III besteigt Prinz Mongkut am 2. April 1851 als König Rama IV den siamesischen Thron. Ihm wird der zusätzliche Name Phra Chomklao verliehen. Nachdem er 1824 bei der Thronfolge übergangen worden war, hatte Mongkut sich in ein buddhistisches Kloster zurückgezogen, wo er für 27 Jahre ein hochdiszipliniertes Leben geführt hatte. Er hatte in dieser Zeit einen neuen buddhistischen Mönchsorden mit dem Namen Thammayut gegründet, der bis heute besteht und dessen Regeln sehr viel strenger sind als die Regeln des vorherrschenden Mahanikai-Mönchsordens.

Während seiner Zeit als Mönch studierte Mongkut europäische Sprachen und europäische Wissenschaft. Mit diesem persönlichen Hintergrund steht er nach seiner Krönung der europäischen Kultur positiv gegenüber. Er verfolgt eine Politik der Öffnung nach Westen, die wesentlich dazu beiträgt, dass das siamesische Königreich in den folgenden Jahren seine Unabhängigkeit bewahren kann.

Abgesehen von den schon erwähnten Land-Konzessionen erlaubt König Mongkut den europäischen Grossmächten freien Handelszugang zum siamesischen Reich.

1868, nach dem Tod von König Rama IV, besteigt dessen ältester Sohn Chulalongkorn (einer von 39 Söhnen und 43 Töchtern aus 39 gleichzeitigen Ehen) den siamesischen Thron. Chulalongkorn war durch seine Ausbildung auf das Königsamt gut vorbereitet worden. So hatte er zum Beispiel bei der englischen Witwe Anna Leonowens Englisch gelernt. Anna Leonowens schrieb über ihre Erfahrungen am siamesischen Hof zwei Bücher: An English Governess at the Siamese Court und Romance of a Harem. Auf Anna Leonowens Büchern basiert der Film The King and I (der in Thailand übrigens verboten wurde).

Chulalongkorn
















Photo: Reiter-Standbild König Chulalongkorns vor dem Parlamentsgebäude in Bangkok

Wie sein Vater, so entwickelt sich Chulalongkorn nicht nur zum geschickten Politiker, sondern zu einem für seine Zeit ausgesprochen modernen Monarchen. Zu seinen Regierungsmassnahmen gehört zum Beispiel die Abschaffung der Sklaverei.

1896 unterzeichnen Frankreich und Grossbritannien einen Vertrag, in dem sie sich darauf verständigen, trotz der beidseitigen Expansion in Südostasien einen unabhängigen Staat Siam bestehen zu lassen. Um Siams Position als unabhängiger Staat zu stärken, unternimmt Chulalongkorn 1897 und 1907 zwei ausgedehnte Reisen durch mehrere europäische Länder und trifft dort mit Königen und Kaisern zusammen.

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Thailand / Geschichte / Bangkok-Ära - Konstitutionelle Monarchie

24. Juni 1932 stürzt die geheime Volkspartei, der in erster Linie Siamesen angehören, die in Europa ihre Ausbildung erfahren haben, und von denen einige hohe Ämter in der Regierung und in den Streitkräften bekleiden, die absolute Monarchie, während König Prajadhipok sich an seinem Sommerwohnsitz in Hua Hin aufhält. Etwa 40 Prinzen, hohe Regierungsvertreter und führende Militärs werden verhaftet und als Geiseln in der Ananlasanakan Halle in Bangkok festgehalten. Die Gruppe schickt das folgende Telegramm an König Prajadhipok:

"Die Volkspartei, die sich aus Staatsangestellten und Militärs zusammensetzt, hat die Verwaltung des Landes übernommen und Mitglieder der königlichen Familie, wie etwa Prinz Nakhon Sawan, als Geiseln genommen. Wenn Mitgliedern der Volkspartei ein Haar gekrümmt wird, werden die als Geiseln festgehaltenen Prinzen dafür bestraft. Es ist nicht die Absicht der Volkspartei, königlichen Besitz zu enteignen. Ihr Anliegen ist es, eine konstitutionelle Monarchie zu errichten. Wir laden deshalb seine Majestät den König ein, in die Hauptstadt zurückzukehren, um in einer konstitutionellen Monarchie, wie sie von der Volkspartei errichtet wird, als König zu dienen. Sollte seine Majestät sich weigern, dieses Angebot anzunehmen, oder nicht innerhalb einer Stunde auf dieses Telegramm antworten, wird die Volkspartei die konstitutionelle Monarchie trotzdem proklamieren und einen anderen Prinzen, den die Partei für geeignet hält, zum König ernennen. König Prajadhipok antwortete mit dem folgenden Telegramm: "Ich habe die Botschaft erhalten, in der Sie mich auffordern, als konstitutioneller Monarch nach Bangkok zurückzukehren. Im Interesse des Friedens, und um unnötiges Blutvergiessen zu vermeiden, ebenfalls um Verwirrung und Verlust für das Land zu verhindern, und im besonderen, weil ich mir schon selbst überlegt habe, diesen Schritt zu tun, bin ich bereit an der Erstellung einer Verfassung mitzuwirken, unter der ich zu dienen bereit bin. Des weiteren würden, sollte ich nicht zur Kooperation bereit sein, ausländische Regierungen die neue siamesische Regierung nicht anerkennen. Dies könnte der Regierung Schwierigkeiten bereiten. Ich bin selbst nicht bei bester Gesundheit. Ich habe keine Kinder, die mir nachfolgen könnten. Meine Lebenserwartung ist nicht hoch, zumindest nicht, wenn ich im Amt bleibe. Ich habe keinen Ehrgeiz nach Positionen oder persönlichem Glanz. Nur mein Streben, der Rasse zu dienen, leitet mich. Nehmen Sie dies als Ausdruck meiner Gefühle entgegen."

Mitglieder der Volkspartei, die die absolute Monarchie stürzten, spielen in der thailändischen Politik der nächsten 30 Jahre eine dominierende Rolle.

Phibul Songkhran wird für 15 Jahre Premierminister, von 1938 bis 1944 und von 1948 bis 1957, zeitweise mit diktatorischer Macht, zeitweise ohne; mal kommt er durch einen weiteren Staatsstreich an die Regierung, mal über Wahlen.

Khuang Aphaiwong kommt vier Mal kurzfristig zum Amt des Premierminister. Die ersten zwei Mal tritt er nach wenigen Wochen zurück, jeweils wegen Meinungsverschiedenheiten mit der Nationalversammlung; das dritte Mal gibt es wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Neuwahlen, und das vierte Mal macht, wiederum nach wenigen Wochen, ein Staatsstreich seiner Regierung den Garaus.

Parlaments-Gebäude












Photo: Parlaments-Gebäude in Bangkok



Der bunteste Charakter unter den Revolutionären ist allerdings Pridi Panomyong. In der ersten Regierung der Volkspartei ist er für die Wirtschaft zuständig. Als er kommunistischer Bestrebungen verdächtigt wird, geht er erstmals ins Exil. Dann beteiligt er sich an einem neuerlichen Staatsstreich, durch den Phibul Songkhran an die Macht kommt. Als dieser sich jedoch im Zweiten Weltkrieg auf die Seite der Japaner schlägt, organisiert Pridi Panomyong den Widerstand gegen die Japaner und die Regierung Phibul Songkhrans.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt er zu Ehren und wird Mitglied des Regentschaftsrats. Da andere Mitglieder des Rates sterben oder ausscheiden, ist er nach dem Zweiten Weltkrieg für einige Zeit alleiniger Regent Thailands, an Stelle des minderjährigen Königs Ananda Mahidol.

Für kurze Zeit wird er ausserdem zum Premierminister. Als dann aber das Militär Phibul Songkhran 1948 wieder zum Premierminister macht, versucht er mit Hilfe einer anderen Gruppe der Armee einen neuerlichen Staatsstreich, hat damit aber keinen Erfolg. Pridi Panomyong stirbt 1983 im Alter von 83 Jahren im Exil in Paris. Drei Jahre später wird die Asche des Rebells und Staatsmannes in einer Staatszeremonie im Golf von Thailand ausgestreut.

Während des Zweiten Weltkriegs, am 21. Dezember 1941 schliessen Japan und Siam einen Bündnisvertrag, in dem Japan der Regierung in Bangkok unter anderem verspricht, Gebiete zurückzuerlangen, die einige Jahrzehnte zuvor an das britische Kolonialreich verloren wurden.

Als sich abzeichnet, dass die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg verlieren werden, regt sich in Thailand immer mehr Widerstand gegen Phibul Songkhran, der im Krieg auf Japan gesetzt hatte. Phibul Songkhran wird im Juli 1944 veranlasst, vom Amt der Premierministers zurückzutreten. Eine Gruppe von Politikern, die während des Zweiten Weltkriegs auf Seiten der Alliierten stand, übernimmt im Nachkriegs-Thailand die Staatsführung.

Am 8. November 1947 verübt eine Gruppe von Militärs, der unter anderen Oberst Sarit Thanarat (16. Juni 1908 - 8. Dezember 1963) angehört, einen unblutigen Staatsstreich. Preissteigerungen für Güter des täglichen Bedarfs hatten in den vorhergegangen Wochen für weitverbreitete Unzufriedenheit unter der Bevölkerung gesorgt.

Eine Gruppe von Marine-Offizieren setzt 29. Juni 1951 Premierminister Marschall Phibul Songkhran gefangen, als dieser den Schwimmbagger Manhattan besucht, den die thailändische Marine von den USA als Teil ihrer Militärhilfe überstellt bekommen hat. Die Offiziere konfrontieren den Marschall mit einer Reihe von Forderungen nach einer Umstrukturierung der Regierung.

Zwar wird Marschall Phibul Songkhran nach einigen Tagen freigelassen, scheinbar ohne dass er auf die Forderung der Rebellen eingehen musste, doch unterminiert der Vorfall eindeutig seine Machtstellung. Als neue mächtigste Figuren des Landes zeichnen sich in der Folgezeit General Sarit Thanarat und General Pao ab.

Am 20. Oktober 1958 putscht Armee-Chef Sarit Thanarat erneut, und zwar mit der Begründung, die Regierung werde der wirtschaftlichen Probleme des Landes nicht Herr. Sarit Thanarat bleibt bis zu seinem Tod im Jahre 1963 "starker Mann" in Thailand.

Feldmarschall Thanom Kittikachorn putscht am 17. November 1971 und bringt sich in volle diktatorische Kontrolle über das ganze Land. Er setzt die Verfassung ausser Kraft, löst das Parlament auf, entlässt das Kabinett und erklärt das Kriegsrecht. Als Begründung führt er an, die Verfassung sei nicht effizient, die Parteien nicht kooperativ und ausserdem drohten dem Land Terrorismus und Kommunismus.

Die Revolutionäre Partei, die von Thanom kontrolliert wird, stützt seine diktatorische Regierung. Ein fünfköpfiger Nationaler Exekutivrat wird gegründet, dem Thanom vorsitzt. Unter den anderen Mitgliedern des Rates sind der frühere Premierminister Pote Sarasin und Feldmarschall Prapass Charusathiara.

Eine Demonstration der Studenten wächst sich am 14. Oktober 1973 zu einem kolossalen Massenprotest aus, und es kommt zu Zusammenstössen zwischen Studenten und Ordnungskräften. Bei den sich daraus entwickelnden Strassenschlachten werden mindestens 400 Personen getötet, mehrere tausend verwundet und vier Gebäude niedergebrannt.

Der Tag geht als Wan Maha Wippasok (der tragischste Tag) in die neuere thailändische Geschichte ein. König Bhumiphol überredet Premierminister Feldmarschall Thanom Kittikachorn und seine zwei engsten Vertrauten, den stellvertretenden Premierminister Feldmarschall Prapass Charusathiara und Oberst Narong Kittikachorn (ein Sohn Thanoms), das Land zu verlassen.

Der Rektor der Thammasat-Universität, Sanya Dhammasakdi, wird zum neuen Premierminister ernannt. Für einige Tage herrscht in Bangkok Chaos, da sich Polizei und Militär nicht auf die Strasse trauen, da sie Racheakte von Studentenbanden fürchten, die durch die Stadt ziehen.

Am 1. April 1981 besetzt eine Gruppe jüngerer Offiziere, die später mit dem Namen Jung-Türken versehen wird, unter Führung von General San Chipatima in einem Putschversuch verschiedene Regierungszentren in Bangkok. Die jungen Offiziere behaupten, sie stünden der herrschenden Militär-Clique kritisch gegenüber und unterstützten eine Demokratisierung Thailands. Der allgemeine Eindruck ist dagegen, es handle sich bei den Putschisten nur um eine andere Gruppe machthungriger Militärs. Der damalige Premierminister Prem weicht den Putschisten aus und flieht, zusammen mit der Königsfamilie, nach Khorat.

Die Rebellen halten verschiedene Regierungseinrichtungen für drei Tage besetzt. Die königliche Familie des Landes versagt den Rebellen jedoch die Unterstützung und stellt sich auf die Seite Prems - was über eine Radioansprache von Königin Sirikit kundgemacht wird. Die Unterstützung durch die königliche Familie macht es Prem möglich, loyale Truppen zusammenzustellen und nach Bangkok zu entsenden. Am 3. April ergeben sich die Rebellen. General San Chipatima und andere Führer der Putschisten fliehen aus dem Land.

Auf ein weiteres Mal stürzt am 23. Februar 1991 das thailändische Militär eine gewählte Regierung. In einem unblutigen Staatsstreich unter der Führung des Oberkommandierenden der Streitkräfte, General Sunthorn Kongsompong, und des Armee-Chefs, General Suchinda Kraprayoon, wird die Regierung von General Chatichai Choonhavan abgesetzt; Chatichai und eine Reihe weiterer hochrangiger Politiker werden gefangengesetzt, als sie ein Flugzeug nach Chiang Mai besteigen wollen.

Die Putschisten präsentieren sich als Nationaler Rat zur Erhaltung des Friedens (National Peacekeeping Council), der sich jedoch in den folgenden Monaten nicht in die Alltagsgeschäfte der Regierung einmischen wird. Die Putschisten suspendieren wieder einmal die Verfassung, lösen das Parlament auf und erklären das Kriegsrecht.

Als Begründung für den Staatsstreich führen sie in erster Linie die weit verbreitete Korruption an. Es wird deshalb ein Ausschuss gebildet, dessen Aufgabe die Untersuchung des unerklärten Reichtums zahlreicher Politiker ist. Unter der Hand heisst es jedoch, zu dem Putsch sei es gekommen, weil General Chatichai den politischen Ratschlägen der Militärs zu wenig Beachtung geschenkt habe.

Bei Wahlen am 22. März 1992 werden 11 Parteien ins Parlament gewählt, die in zwei Blöcke fallen, von denen der eine im thailändischen Sprachgebrauch als Pro-Militär-, der andere, oppositionelle, als Pro-Demokratie-Parteien klassifiziert werden.

Es sind dies die folgenden Parteien (in Klammer Anzahl der Abgeordneten): Samakkhi Tham, Pro-Militär (79); Chart Thai, Pro-Militär (74); New Aspiration, Pro-Demokratie (72); Demokratische Partei, Pro-Demokratie (44); Palang Dharma, Pro-Demokratie (41); Social Action, Pro-Militär (31); Prachakorn Thai, Pro-Militär (7); Solidarity, Pro-Demokratie (6); Rassadorn, Pro-Militär (4); Puang Chon Chao Thai (1); Muan Chon (1).

Unter den drei Parteien, die bei den Wahlen die meisten Stimmen erhalten, waren zwei, die Samakkhi Tham und die New Aspiration, erst nach dem Militärputsch vom 23. Februar 1991 gebildet worden. Die Chart Thai war aus den vorangegangenen Wahlen von 1988 als stärkste Kraft hervorgegangen, hatte aber nach dem Putsch ihre gesamte Führung ausgewechselt.

Auf Vorschlag des Vorsitzenden des Nationalen Rats zur Erhaltung des Friedens, Sunthorn Kongsompong, wird in einem königlichen Erlass General Suchinda Kraprayoon zum 19. Premierminister Thailands ernannt.

Am 17. Mai 1992 demonstrieren in Bangkok über 150.000 Menschen gegen Premierminister Suchinda. Als Protestführer Chamlong Srimuang mit einer Gruppe von 30.000 bis 40.000 Demonstranten vor das Regierungshaus ziehen will, kommt es an der Phan-Fa-Brücke in Bangkok zu den ersten blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Zwischen drei und acht Demonstranten werden von den Ordnungskräften erschossen. Premierminister Suchinda verhängt über Bangkok und Zentral-Thailand das Ausnahmerecht und verbietet politische Zusammenkünfte von mehr als 10 Personen.

Am Nachmittag des folgenden Tages gehen Polizei und Militär rabiat gegen die Gruppen von Demonstranten vor, die sich nach dem brutalen Militär- und Polizeieinsatz des Vorabends nicht zerstreut haben. Chamlong Srimuang wird vor laufenden Kameras internationaler Fernseh-Teams verhaftet. Auch unter den Demonstranten macht sich zunehmend Bereitschaft zur Gewalt breit. Steine und Molotow-Cocktails werden geworfen, Barrikaden errichtet. Das Militär antwortet mit Salven aus automatischen Waffen. Eine grosse Zahl von Demonstranten wird erschossen, andere werden halbtot geprügelt. Demonstranten, denen es gelingt, vor den anrückenden Truppen zu fliehen, gruppieren sich in anderen Teilen der Stadt. Vor dem Amt für Öffentlichkeitsarbeit (Public Relations Department) versammeln sich über 10.000 Demonstranten. Spät am Abend setzen Demonstranten das Amt für Öffentlichkeitsarbeit in Brand. Nach Tagen weiterer Demonstrationen legt Premierminister Suchinda legt am 24. Mai 1992 sein Amt nieder.

Bei landesweiten Parlamentswahlen am 13. September 1992 verbuchen erwartungsgemäss die sogenannten "Pro-Demokratie"-Parteien starke Gewinne. Die meisten Parlamentssitze, insgesamt 79, erringt die Demokratische Partei. Die weiteren Ergebnisse: Chart Thai, 77 Sitze; Chart Pattana, 60 Sitze; New Aspiration, 51 Sitze; Phalang Dharma, 47 Sitze; Social Action, 22 Sitze; Solidarity, 8 Sitze; Seritham, 8 Sitze; Muan Chon, 4 Sitze; Prachakorn Thai, 3 Sitze; Rassadorn, 1 Sitz. Neuer Premierminister wird der Führer der Demokratischen Partei, Chuan Leekpai.

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Thailand / Reise-Informationen / Währung

Baht, der unterteilt ist in 100 Satang. Es gibt Münzen zu 25 Satang, 50 Satang, 1 Baht, 5 Baht und 10 Baht. Im Umlauf sind alte und neue Münzen des selben Werts. Die alten Münzen sind grösser, und nur die neuen haben ausser den Thai-Ziffern auch arabische Ziffern. Münzen unter einem Baht sind messingfarbig; Münzen von 1 Baht und darüber sind silberfarbig, wobei die gängigen 10-Baht-Münzen einen messingfarbigen Kern haben.

Geldscheine haben je nach Wert eine unterschiedliche Grösse (je grösser der Wert, desto grösser der Schein) und sie unterscheiden sich ausserdem farblich. Zehn-Baht-Noten sind braun, Zwanziger grün, Fünfziger blau, Hunderter rot, Fünfhunderter violett und Tausender grau.

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Reise-Informationen / Medizinische Versorgung

staatliche Gesundheitswesen längst nicht so ausgebildet ist wie in europäischen Nationen, hat Auswirkungen auf das Zusammenleben. Auch in Thailand sind sich die Menschen der Tatsache bewußt, daß sie plötzlich schwer erkranken könnten und dann der Hilfe und Pflege von Mitmenschen bedürfen. Um solchen Fällen vorzubeugen, braucht jeder einzelne den solidarischen Rückhalt bei Mitmenschen, und da dieser in Thailand weit weniger als in Europa in Form einer anonymen staatlichen Organisation besteht, ist es nur logisch, daß der einzelne diesen Rückhalt in der Familie, besser noch in der Groß-Familie, sucht und tatsächlich auch findet. Denn nicht auf Grund romantisch-ideologischer Theorien vom Werte der Blutsverwandtschaft haben thailändische Familien ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, sondern weil sich die Solidarität in der Groß-Familie als Überlebensstrategie für jeden einzelnen bewährt.

In Thailand geht man auch heute noch davon aus, daß jeder einzelne einer Groß-Familie angehört, und daß diese das soziale Netz strickt, in das der einzelne bei schwerer Krankheit oder im Alter zurückfallen kann. So sehr wird erwartet, daß sich die Familie um den erkrankten einzelnen kümmert, daß es dem ausländischen Besucher, der ein Einzelner ohne Groß-Familie ist, so erscheinen muß, als seien Gesundheitseinrichtungen in Thailand manchmal nachlässig im Umgang mit Patienten.

Es wird zum Beispiel in einfachen Krankenhäusern als so selbstverständlich vorausgesetzt, daß sich stets Familienangehörige um die Pflege eines Patienten mitkümmern, daß Krankenschwestern es oft nicht als ihre Aufgabe ansehen, einem bettlägerigen Patienten bei der täglichen Toilette zu helfen.

Ungläubigkeit ernten Sie, wenn Sie einem Thai erzählen, daß es in europäischen Krankenhäusern Besuchszeiten gibt, und mit Kopfschütteln reagiert er, wenn Sie ihm mitteilen, daß selbst die engsten Verwandten in einem europäischen Krankenhaus nicht über Nacht beim Patienten bleiben können.

Wie anders ist das doch in thailändischen Krankenhäusern. In Privat- oder Halbprivat-Zimmern gibt es immer Pritschen, damit Familienangehörige beim Patienten übernachten können, und selbst in den Stationssälen der staatlichen Krankenhäuser, in denen oft 20 und mehr Patienten liegen, schlafen Familienangehörige beim Patienten - wenn?s sein muß eben auf einer Bastmatte auf dem Boden.

Meist ist es nicht nur einer, der bei einem erkrankten Familienangehörigen weilt, oft sind es zwei oder drei Personen. Und die sorgen für die Verpflegung, bringen sie mit von zu Hause oder kaufen sie in den billigen Restaurants und Straßenküchen, die es oft im Umkreis von Krankenhäusern gibt.

Qualitätsgefälle

Im medizinischen Standard gibt es in Thailand zwischen Provinz und Großstadt einen noch viel größeren Unterschied als in Europa. In kleinen Provinzkrankenhäusern werden nur kleinere Operationen ausgeführt. In Bangkok dagegen gibt es einige Kliniken, die auf westlichem Niveau sind.

Arztpraxen

Privaten Krankenhäusern sind in der Regel etliche Arztpraxen zugeordnet. Die Ärzte in diesen Praxen sind entweder Angestellte des Krankenhauses oder aber nur Mieter. Haben eingemietete Ärzte aber einen stationär zu behandelnden Fall, dann nutzen sie ein Bett des Krankenhauses. Sie nutzen auch die zentralen Diagnose-Geräte und das Labor. Der Patient hat dann eine aufgeschlüsselte Rechnung zu begleichen, zusammengesetzt aus den Standard-Gebühren des Krankenhauses und dem Honorar des Arztes, das dieser selbst festlegt. Ist der Arzt ein Angestellter des Krankenhauses, so berechnet das Krankenhaus ein standardisiertes Arzthonorar.

Es gibt natürlich auch Arztpraxen (eine ärztliche Praxis heißt in Thailand auf englisch Clinic) außerhalb der Krankenhäuser. Allerdings haben die Ärzte, die eine Praxis in einem großen privaten Krankenhaus unterhalten, in der Regel mehr Berufserfahrung. Daß sie die zentralen Einrichtungen des Krankenhauses mitnutzen können, ist ebenfalls von Vorteil. Praxen außerhalb der Krankenhäuser sind mit modernem Gerät oft nur spärlich ausgerüstet.

Die meisten thailändischen Ärzte, insbesondere aber diejenigen, die in den Touristenvierteln praktizieren, sprechen ausreichend englisch, um mit solchen ausländischen Patienten zu kommunizieren, die ebenfalls englisch sprechen. Patienten, die nicht oder nur wenig englisch sprechen, mögen es vorziehen, einen Arzt aufzusuchen, der ihrer eigenen Sprache mächtig ist. Einige ausländische Ärzte, beziehungsweise thailändische Ärzte, die andere Fremdsprachen als Englisch sprechen, sind in Bangkok (in alphabetischer Reihenfolge):

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Thailand / Reise-Informationen / Verkehrsmittel / Taxis

nur in Bangkok. In manchen thailändischen Städten fungieren entweder Sammeltaxis auf Wunsch auch als Individual-Taxis, zum Beispiel in Pattaya; oder es gibt Tuk-Tuks (siehe unten), die wie Taxis operieren; oder es sind Individual-Taxis nicht nötig, weil Sammeltaxis ohnehin individuell angegebene Fahrziele ansteuern (zum Beispiel in Chiang Mai). In der Provinz gibt es bisweilen Taxis nur an Standplätzen, wo sich wohlhabende Touristen oder ortsfremde Geschäftsleute einfinden, also zum Beispiel an Flughäfen oder vor Luxus-Hotels.

Was Taxis betrifft, hat sich in Bangkok zu Beginn des Jahres 1993 ein kleines Wunder ereignet. Und der Zauberkünstler war Anand Panyarachun in seiner 2. Amtszeit als Premierminister Thailands im Jahre 1992.

Denn Premierminister Anands zweite Regierung räumte endlich mit dem Klüngel auf, der den Bewohnern und Besuchern Bangkoks gleichermassen über Jahre hinweg einen Taxi-Service beschert hatte, den man getrost als 'unzulänglich' bezeichnen durfte.

Denn über Jahrzehnte hinweg waren Taxifahrten in Bangkok nicht nur viel teurer als zum Beispiel in Manila, oder sogar Hongkong und Singapur; die überwiegende Zahl der Taxis war ausserdem in einem erbärmlichen Zustand. Und trotz allem musste man noch dankbar sein, wenn die Taxifahrer so gnädig waren, einen Passagier zu dem Preis, den sie verlangten, mitzunehmen. Wehren konnte man sich gegen diese Unsitten nicht - dafür gab es viel zu wenig Taxis, und viel zu viel Leute, die begehrten mitgenommen zu werden.

Der Grund für den jahrelangen Missstand: die Zahl der Taxis in Bangkok war für die letzten rund 15 Jahre vor Anands Reform auf genau 13.500 beschränkt. Taxi-Lizenzen wurden deshalb teuer gehandelt. Während der Regierungszeit von Premierminister Chatichai Choonhavan war der Marktpreis auf volle 700.000 Baht angestiegen - entschieden mehr als der Betrag, der für ein neues Auto zu bezahlen war, das als Taxi eingesetzt werden sollte.

Die Kosten für die teuren Lizenzen gaben die Taxivermieter voll an die Fahrer weiter, zuzüglich eines Profitzuschlags (denn man hatte ja ein staatlich geschütztes Monopol), und die Fahrer wiederum bürdeten die Kosten der Allgemeinheit auf.

Doch dann: nach einer 180?-Kehrtwendung erlaubte die Regierung plötzlich praktisch jedermann, eigene Taxis in den Verkehr zu bringen. Voraussetzung: die Taxis sind Neuwagen mit mindestens 1.6 Liter Hubraum, und sie sind mit amtlich geeichtem Gebührenzähler ausgerüstet.

Nicht nur sind die neuen sogenannten Taxi-Meter sehr viel komfortabler und sicherer, nicht nur gibt es keinen Grund zur traditionellen lästigen Feilscherei - nein, Fahrten mit den Taxi-Metern sind praktisch immer billiger, oft sogar viel billiger, als das, was man früher für die selben Strecken mit den alten Klapperkisten zu zahlen hatte.

Die folgenden Gebühren gelten Mitte 1994 für Taxi-Meter: Einsteiggebühr 35 Baht - 2 Kilometer Fahrt sind in diesem Preis inbegriffen; der dritte Kilometer kostet 5 Baht, der vierte und fünfte Kilometer kosten 4,50 Baht, der sechste und der siebte Kilometer 4 Baht, und jeder weitere Kilometer kostet 3,50 Baht. Im Verkehrsstau, wenn das Taxi steht oder sich nur mit weniger als sechs Stundenkilometern bewegt, zählt die Uhr 1 Baht pro Minute.

Es gibt eigentlich keine Notwendigkeit mehr, in Bangkok mit anderen, nicht mit Gebührenzähler ausgerüsteten Taxis herumzufahren, und wahrscheinlich verschwinden sie bald ganz aus dem Strassenbild. Die folgende Anmerkung deshalb nur der Vollständigkeit halber: Die Preise bei Taxis, die nicht mit Gebührenzähler ausgestattet sind, müssen immer ausgehandelt werden, bevor man ins Taxi einsteigt. Wer dies nicht tut, der lädt den Taxifahrer geradezu ein, am Fahrziel einen exorbitanten Fahrpreis zu verlangen.

Eine Ausnahme sind lediglich die Hotel-Limousinen, die ebenfalls als Taxis fungieren. Für sie gibt es Festpreise je nach Fahrziel, die allerdings immer deutlich über den Preisen liegen, die man für die selbe Fahrt in einem Taxi-Meter bezahlen würde.

Alle Taxis in Bangkok sind klimatisiert, und viele Fahrer sprechen ein wenig englisch. Wer sich zu einer schwierigen Adresse chauffieren lassen will, kann sich diese in Thai-Buchstaben aufschreiben lassen. Bei Fahrzielen wie Patpong oder Oriental Hotel ist dies natürlich nicht notwendig.

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Thailand / Reise-Informationen / Verkehrsmittel / Tuk-Tuks

motorisiertes Dreirad. In Bangkok und einigen grösseren Provinzstädten operieren sie gerade so wie Taxis, wohingegen sie in kleineren Provinzstädten eher wie Sammeltaxis eingesetzt werden. In Bangkok sind die Fahrpreise für Tuk-Tuks 20 bis 30 Prozent niedriger als die Fahrpreise der nicht mit Taxameter ausgestatteten Taxis (natürlich sind auch die Tuk-Tuks nicht mit Taxametern ausgerüstet), do

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Thailand / Reise-Informationen / Verkehrsmittel / Sielor

Kleinst-Kombiwagen, die zwar ganz überdacht, jedoch wie Samlors nach allen Seiten offen sind. Sielors operieren nach dem selben System und zu den selben Preisen wie Samlors.

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Reise-Informationen / Verkehrsmittel / Motorrad-Taxis

Klein-Motorräder, auf deren Rücksitzen Passagiere befördert werden (wohlgemerkt: auf den Rücksitzen, nicht in Seitenwagen), bisweilen drei (plus dem Fahrer) - wahrscheinlich muss man es gesehen haben, um es zu glauben.

Motorrad-Taxis findet man inzwischen an jeder grösseren Seitenstrasse in Bangkok, wo sie in erster Linie die Anwohner befördern. Stets gibt es einen Festpreis, normalerweise zwischen 3 und 10 Baht, je nach Entfernung. Die Chauffeure von Motorrad-Taxis tragen stets Blousons, auf die grosse Nummern gestickt oder gedruckt sind.

Man kann sich auf dem Rücksitz eines Motorrads auch durch ganz Bangkok chauffieren lassen - wenn man den Nerv dazu hat. Die Preise, die verlangt werden, sind etwa die Hälfte dessen, was die selbe Strecke mit dem Taxi kosten würde, und man ist sehr viel schneller.

Doch besonders für Motorrad-Fahrer ist der Strassenverkehr in Bangkok gefährlich. Dabei sind es nicht einmal in erster Linie die Autos und Busse, die diese Gefährlichkeit bedingen, sondern andere Motorräder. Es gibt sie in unglaublichen Mengen. Oft rasen an einer grossen Kreuzung über hundert Motorräder los, wenn die Ampel auf grün schaltet.

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Reise-Informationen / Verkehrsmittel / Eisenbahn

besten und komfortabelsten mit dem Zug. Zugreisen in Thailand sind billig (aber ein kleines bisschen teurer als Busreisen), schnell (aber auf den meisten Strecken um etwa 20 % langsamer als Busreisen) und der Verkehr ist verlässlich (obwohl im Gegensatz zum Sprichwort nicht pünktlich wie die Eisenbahn).

Bangkoks Hua-Lamphong-
Hauptbahnhof
an der Rama IV Road ist der Mittelpunkt für den gesamten thailändischen Zugverkehr. Alle Linien haben hier ihren Ausgangs-, beziehungsweise Endpunkt. Um von einem Landesteil in den anderen zu reisen, wird man stets an Bangkoks Hua-Lamphong- Hauptbahnhof umsteigen müssen, selbst wenn es zwischen den Landesteilen eine kürzere Luftlinien-Verbindung geben sollte.

Das Streckennetz der State Railway of Thailand ist in eine Süd-Linie, eine Nord-Linie, eine Nordost-Linie, eine Ost-Linie und eine kurze West-Linie unterteilt. Es gibt nur sehr wenige Streckenverzweigungen. Die Nordost-Linie ist etwa auf halber Strecke verzweigt, wobei es in einer Richtung nach Nong Khai, gegenüber der laotischen Hauptstadt Vientiane, geht, und in der anderen nach Ubon Ratchathani.

Die östliche Hauptlinie führt nach Aranyaprathet an der kambodschanischen Grenze, und man könnte auf dieser Strecke bis in die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh weiterfahren, wäre die kambodschanische Eisenbahnlinie während des langen Bürgerkriegs dieses Landes nicht so stark zerbombt worden. Eine Abzweigung der Ost-Linie führt an Pattaya vorbei.

Die Nord-Linie führt direkt nach Chiang Mai, ohne dass es eine Abzweigung geben würde. Die West-Linie führt bis Nam Tok, einem kleinen Ort in der Kanchanaburi-Provinz. Wirtschaftlich von Bedeutung ist diese Strecke aber nur bis Kanchanaburi, wo während des Zweiten Weltkriegs Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter die berüchtigte Brücke über den River Kwai bauten.

Die Süd-Linie verbindet Thailand bei Padang Besar und bei Sungai Kolok mit Malaysia. Es gibt seit 1993 keinen direkten Zug mehr von Bangkok nach Butterworth, der malaysischen Stadt gegenüber der Insel Penang. Wer also mit dem Zug nach Malaysia will, muss am Grenzkontrollpunkt in Padang Besar umsteigen.

In der thailändischen Eisenbahn gibt es drei Klassen, die Erste, Zweite und Dritte, wobei es jedoch für die Zweite eine klimatisierte und eine nicht klimatisierte Unterklasse gibt. Die Fahrpreise für die klimatisierte Zweite Klasse betragen ungefähr das Doppelte der Fahrpreise für die Dritte, und die Fahrpreise der Ersten das Doppelte der Fahrpreise für die klimatisierte Zweite Klasse.

Die dritte Klasse ist nie klimatisiert, und die Sitzbänke sind alles andere als bequem. Die meisten ausländischen Besucher reisen entweder in der klimatisierten oder in der nicht klimatisierten Zweiten Klasse.

In Langstrecken-Zügen gibt es in der klimatisierten und in der nicht klimatisierten Zweiten Klasse, und natürlich der Ersten, Schlafwagen. Tatsächlich sind die meisten Waggons der Zweiten Klasse in Langstrecken-Zügen Schlafwagen.

Abgesehen von den verschiedenen Klassen gibt es auch verschiedene Kategorien von Zügen. Normale Personenzüge sind am langsamsten und halten in den kürzesten Intervallen. Schnellzüge (rapid trains), Express-Züge und Sonder-Expresszüge (special express trains/) halten seltener und fahren höhere Geschwindigkeiten.

Auf der Ost-Linie werden nur Schienenbusse eingesetzt. Auf der Süd- und auf der Nord-Linie gibt es Sonder-Schienenbusse (special diesel rail cars), die zwar noch schneller sind als Sonder-Express-Züge, in denen es aber keine Schlafwagen gibt, und deren Waggons geradeso wie Luxusbusse oder die Kabinen von Verkehrsflugzeugen möbliert sind - was den Komfort betrifft, im Vergleich zu den traditionellen Zügen eher ein Rückschritt.

In den klimatisierten Schlafwagen der Zweiten Klasse sind die unteren Betten stets entschieden angenehmer als die oberen. In den oberen Betten hat man eine Deckenöffnung der Klima-Anlage entweder 30 oder 40 Zentimeter vom Fussende oder vom Kopfende entfernt, und aus solcher Nähe ist der kalte Luftzug eher unangenehm. In den thailändischen Schlafwagen werden die Betten um etwa 9:00 Uhr abends hergerichtet. Es gibt Leintuch, Kissen und eine Decke. Kissen und Decke sind frisch bezogen.

Wie schon erwähnt, gibt es in allen thailändischen Langstrecken-Zügen Speisewagen, in denen überraschend gute Thai-Gerichte serviert werden. Für die Fahrgäste in den Waggons der Ersten und der Zweiten Klasse gibt es ausserdem volle Menüs (Obst als Nachspeise), die in den Waggons selbst serviert werden. Dazu werden Klapptische aufgebaut, die recht stabil sind. In der Regel stehen zwei Menüs zur Auswahl.

Für längere Zugfahrten ist es stets empfehlenswert, Schlafwagenplätze frühzeitig zu reservieren (wenigstens eine Woche im voraus), besonders dann, wenn man sicherstellen will, dass man für die Übernachtung ein unteres Bett bekommt. Wer nur eine kurze Ausreise nach Penang machen will, um sich dort ein neues Visum zu besorgen, dem ist unbedingt zu empfehlen, auch für die Rückfahrt schon eine feste Reservierung zu machen.

Für Umbuchungen wird eine Gebühr verlangt. Nicht benutzte Fahrscheine müssen innerhalb von drei Stunden nach Abfahrt des Zuges zur Rückerstattung des Fahrpreises zurückgegeben werden. Es wird eine Gebühr abgezogen.

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